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SCHWÄBISCH HALLUND HOHENLOHE

Stand 7. Oktober 2026

Was eine verbundene Kanzlei aus Steuerberatung und Anwaltschaft leistet

· 7 Minuten Lesezeit

Besprechungstisch mit Aktenordnern in einer Kanzlei
Besprechungstisch mit Aktenordnern in einer Kanzlei

Eine verbundene Kanzlei führt Steuerberatung und Rechtsberatung in einer Gesellschaft, in Schwäbisch Hall und Crailsheim ist diese Form bei mehreren Häusern mit Doppelstandort anzutreffen. Zulässig ist der Zusammenschluss, weil sowohl die Bundesrechtsanwaltsordnung als auch das Steuerberatungsgesetz die jeweils andere Berufsgruppe als Partner ausdrücklich zulassen. Wer eine Kanzlei sucht, trifft damit auf zwei Berufsrechte unter einem Dach, die sich in Pflichten und Grenzen unterscheiden.

Was kennzeichnet eine verbundene Kanzlei in der Region Schwäbisch Hall?

Eine verbundene Kanzlei ist eine Berufsausübungsgesellschaft, in der Steuerberater und Rechtsanwälte gemeinsam tätig sind. Jeder Berufsträger bleibt dabei seinem eigenen Berufsrecht und seiner eigenen Kammer unterworfen, die Gesellschaft ist kein neuer Beruf, sondern eine Organisationsform.

Die Rechtsform ist meist eine Partnerschaftsgesellschaft, häufig mit beschränkter Berufshaftung. Für diese Variante verlangt § 8 Absatz 4 des Partnerschaftsgesellschaftsgesetzes eine Berufshaftpflichtversicherung in gesetzlich bestimmter Höhe, deren Mindestsumme sich für die anwaltliche und die steuerberatende Seite unterschiedlich bemisst. Erst mit dieser Versicherung entfällt die persönliche Haftung der übrigen Partner für Berufsfehler.

Mandanten merken von der Konstruktion zunächst wenig. Erkennbar wird sie an der Firmierung, an zwei genannten Berufsgruppen und daran, dass im Briefkopf zwei Kammern als Aufsicht aufgeführt sind. Auch die Vergütung bleibt getrennt, weil anwaltliche Leistungen dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz folgen und steuerberatende Leistungen der Steuerberatervergütungsverordnung, mit unterschiedlichen Gegenstandswerten und unterschiedlichen Spielräumen für Vereinbarungen.

Welche berufsrechtlichen Regeln gelten für Kanzleien in Schwäbisch Hall?

Für Kanzleien in Schwäbisch Hall gelten zwei Regelwerke parallel. Die anwaltliche Seite richtet sich nach der Bundesrechtsanwaltsordnung und der Berufsordnung für Rechtsanwälte, die steuerberatende Seite nach dem Steuerberatungsgesetz, der Durchführungsverordnung und der Berufsordnung der Steuerberater.

Die Zulässigkeit der Verbindung steht in beiden Gesetzen. Die Bundesrechtsanwaltsordnung nennt in § 59c die Berufe, mit denen sich Rechtsanwälte zur gemeinsamen Berufsausübung zusammenschließen dürfen, darunter Steuerberater und Patentanwälte. Das Steuerberatungsgesetz erlaubt in § 56 den umgekehrten Weg, also die Verbindung von Steuerberatern mit Rechtsanwälten.

Vor Ort: Die Aufsicht liegt für Kanzleien im Landkreis Schwäbisch Hall bei den Stuttgarter Kammern, sowohl die Rechtsanwaltskammer als auch die Steuerberaterkammer haben ihren Sitz in der Landeshauptstadt und nicht in der Region.

Beide Berufsrechte bringen eigene Pflichtenkataloge mit, und an einer Stelle greifen sie besonders tief in den Alltag der Kanzlei ein.

Wie weit reicht die Verschwiegenheitspflicht einer Kanzlei im Landkreis Schwäbisch Hall?

Die Verschwiegenheitspflicht gilt für Rechtsanwälte nach § 43a der Bundesrechtsanwaltsordnung und für Steuerberater nach § 57 des Steuerberatungsgesetzes. Verstärkt wird sie strafrechtlich durch § 203 des Strafgesetzbuches, der die Offenbarung fremder Geheimnisse durch Berufsträger unter Strafe stellt.

Im Verfahren wirkt die Pflicht als Recht. Nach § 53 der Strafprozessordnung dürfen Rechtsanwälte und Steuerberater über das Mandat das Zeugnis verweigern, nach § 102 der Abgabenordnung die Auskunft gegenüber der Finanzbehörde, und § 97 der Strafprozessordnung schützt Mandatsunterlagen vor Beschlagnahme. Der Schutz steht dabei dem Mandanten zu, nicht dem Berater.

In einer verbundenen Kanzlei reicht die Pflicht über den einzelnen Berater hinaus. Mitarbeitende, Auszubildende und externe Dienstleister sind einzubeziehen, und innerhalb des Hauses sind Akten so zu führen, dass nicht jeder Zugriff auf jedes Mandat hat. Was in der Region seit Jahren Standard ist, folgt damit keiner Hausregel, sondern dem Gesetz.

Was gilt bei widerstreitenden Interessen in einer verbundenen Kanzlei in Schwäbisch Hall?

Rechtsanwälte dürfen nach § 43a Absatz 4 der Bundesrechtsanwaltsordnung keine widerstreitenden Interessen vertreten. Das Verbot erstreckt sich über § 3 der Berufsordnung auf alle Berufsträger der Gesellschaft, nicht nur auf den Anwalt, der das Mandat führt.

Für die Praxis ist diese Zurechnung der entscheidende Punkt. Hat die Kanzlei einen Gesellschafter steuerlich beraten, ist die anwaltliche Vertretung der Gegenseite in einem Streit über dieselbe Angelegenheit gesperrt, auch wenn ein anderer Partner das Mandat übernehmen würde. Die Berufsordnung lässt eine Ausnahme nur zu, wenn alle Betroffenen in Textform einverstanden sind und die Belange der Rechtspflege nicht entgegenstehen.

Für Steuerberater gilt eine entsprechende Pflicht zur Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit. Eine Kanzlei mit zwei Berufsgruppen prüft deshalb vor jeder Mandatsannahme, ob ein früheres Mandat im Haus der neuen Vertretung entgegensteht, und diese Prüfung ist bei regionaler Mandantschaft aufwendiger als in einer Großstadt.

Welche Schnittstellen verbinden Steuerberatung und Rechtsberatung in der Region Hohenlohe?

Steuerberatung und Rechtsberatung treffen sich dort, wo ein Vorgang gleichzeitig steuerliche und rechtliche Folgen hat. Unternehmensnachfolge, Grundstücksgeschäfte, Gesellschaftsgründungen, Trennungen mit Betriebsvermögen und Betriebsprüfungen mit strafrechtlichem Einschlag gehören zu diesen Fällen.

Die Wirtschaft im Hohenlohekreis und im Landkreis Schwäbisch Hall ist mittelständisch und familiengeführt, weshalb die Nachfolge die häufigste Schnittstelle stellt. Als Dauerthema gilt in der Region die Übergabe von Betrieben an die nächste Generation, und sie steht seit Jahren auf der Liste der Kammern und Verbände. Ein Übergabevertrag ist Gesellschaftsrecht, Erbrecht und Steuerrecht in einem Dokument, und eine Fehlentscheidung in der Reihenfolge der Schritte lässt sich steuerlich oft nicht mehr korrigieren.

Vor Ort: Arbeitsrechtliche Fragen kommen in der Region häufig aus dem Gesundheitswesen und der Zeitarbeit, etwa wenn Einsätze über eine Vermittlung von Pflegepersonal laufen und das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz greift.

Kommunale Beteiligungen bilden eine weitere Schnittstelle, weil der steuerliche Querverbund bei Unternehmen wie den Energieversorgern der Stadt Gesellschafts- und Steuerrecht zusammenführt.

Wann läuft der Weg in Schwäbisch Hall über zwei Berufsträger?

Der Weg über zwei Berufsträger ist zwingend, wenn eine Vertretungsbefugnis fehlt. Im Steuerstrafverfahren darf ein Steuerberater nach § 392 der Abgabenordnung die Verteidigung nur gemeinschaftlich mit einem Rechtsanwalt führen, allein ist er nicht Verteidiger.

Die Befugnisse teilen sich auch sonst klar auf. Vor den Finanzgerichten dürfen Steuerberater nach § 62 der Finanzgerichtsordnung vertreten, vor den Zivilgerichten gilt nach § 78 der Zivilprozessordnung ab dem Landgericht Anwaltszwang. Rechtsberatung außerhalb des Steuerrechts ist Steuerberatern nur als Nebenleistung erlaubt, soweit § 5 des Rechtsdienstleistungsgesetzes sie deckt.

Eine Betriebsprüfung zeigt diese Teilung im Ablauf. Beginnt eine Prüfung im Finanzamt, führt der Steuerberater das Verfahren, entsteht daraus der Verdacht einer Steuerhinterziehung, wechselt die Zuständigkeit zur Strafverteidigung und damit zur anwaltlichen Seite. Der Zeitpunkt dieses Wechsels ist für den Verlauf entscheidend, weil Angaben aus der Prüfung im Strafverfahren verwertbar bleiben.

In einer verbundenen Kanzlei verkürzt diese Aufteilung den Weg, sie hebt ihn aber nicht auf. Gebraucht werden weiterhin zwei Berufsträger, nur sitzen sie im selben Haus und arbeiten mit derselben Akte, was Rückfragen und doppelte Sachverhaltsaufnahme erspart.

Warum führen Kanzleien im Landkreis Schwäbisch Hall mehrere Standorte?

Kanzleien im Landkreis Schwäbisch Hall führen Standorte in mehreren Städten, weil der Kreis flächenmäßig groß ist und zwei Wirtschaftsräume umfasst. Schwäbisch Hall und Crailsheim liegen nach Straßenkarte rund dreißig Kilometer auseinander, dazwischen liegt eine Fahrzeit über die A6 oder die Landstraße.

Die Zuständigkeiten der Gerichte folgen dieser Teilung. Für Schwäbisch Hall und für Crailsheim bestehen eigene Amtsgerichte, das übergeordnete Landgericht sitzt in Ellwangen und damit außerhalb des Landkreises. Für Klagen in Steuersachen ist das Finanzgericht Baden-Württemberg zuständig, dessen Senate ebenfalls nicht in der Region sitzen.

Ein zweiter Standort spart Mandanten damit vor allem Fahrzeit, nicht Verfahrenswege. Für Betriebe im Raum Crailsheim, zu denen größere Arbeitgeber wie das Krankenhaus der Stadt gehören, ist die Besprechung am Ort der kürzere Weg als die Fahrt in die Kreisstadt.

Was leistet eine verbundene Kanzlei für Mandanten in der Region?

Eine verbundene Kanzlei bündelt die Sachverhaltsaufnahme. Mandanten schildern den Fall einmal, die Beurteilung erfolgt in derselben Akte aus steuerlicher und rechtlicher Sicht, Abstimmungen zwischen zwei Büros entfallen.

Die Grenzen dieser Form liegen in denselben Regeln, die sie ermöglichen. Ein Haus, das viele Mandanten einer Branche in der Region betreut, läuft häufiger in Interessenkollisionen und muss Mandate ablehnen, die eine getrennt aufgestellte Kanzlei annehmen könnte. Spezialfragen außerhalb des eigenen Zuschnitts gehen weiterhin an externe Kollegen.

Ein praktischer Vorteil liegt in der Aktenlage. Jahresabschlüsse, Verträge, Schriftverkehr mit dem Finanzamt und Vollmachten liegen an einer Stelle, und bei einem Streitfall muss der Sachverhalt nicht aus zwei Archiven zusammengetragen werden. Für Betriebe mit laufender Buchhaltung in derselben Kanzlei verkürzt das die Reaktionszeit, wenn eine Frist läuft.

Für die Auswahl zählt deshalb weniger die Zahl der Berufsträger als die Frage, welche Fachgebiete tatsächlich besetzt sind und wer den Fall führt. Beide Kammern führen öffentliche Verzeichnisse der zugelassenen Berufsträger und der Fachanwaltsbezeichnungen. Mehr über die tatsächliche Zuständigkeit einer Kanzlei als jede Selbstbeschreibung zeigt der Blick auf diese Register.

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