Wann Kliniken in der Region auf Personalvermittlung zurückgreifen
· 7 Minuten Lesezeit
Kliniken in der Region Hohenlohe greifen auf Personalvermittlung und Zeitarbeit zurück, wenn eine Stelle kurzfristig nicht aus dem eigenen Haus besetzt werden kann. Den Rahmen setzt das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, das die Überlassung eines Arbeitnehmers an denselben Entleiher auf 18 aufeinander folgende Monate begrenzt (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, § 1 Absatz 1b). Betroffen sind davon sowohl das Diak Klinikum in Schwäbisch Hall und das Klinikum Crailsheim als auch die Häuser im Hohenlohekreis. Die Regeln gelten bundesweit, ihre Wirkung unterscheidet sich aber nach Größe und Lage des Hauses.
Was unterscheidet Personalvermittlung und Arbeitnehmerüberlassung in der Pflege?
Personalvermittlung endet mit einem Arbeitsvertrag zwischen Pflegekraft und Krankenhaus. Bei der Arbeitnehmerüberlassung bleibt der Arbeitsvertrag beim Personaldienstleister, und das Haus erhält die Arbeitsleistung über einen Überlassungsvertrag.
Der Unterschied ist kein sprachlicher. Eine Vermittlung ist ein einmaliger Vorgang, nach dem die Pflegekraft zur Belegschaft gehört, mit Tarifvertrag, Dienstplan und Einarbeitung des Hauses. Eine Überlassung ist ein Dauerverhältnis zwischen zwei Unternehmen, bei dem Weisungsrecht und Arbeitsschutz beim Entleiher liegen, Entgelt und Urlaub aber beim Verleiher.
Beide Wege brauchen eine Erlaubnis. Wer Arbeitnehmer überlassen will, benötigt nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz eine Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit, und ohne diese Erlaubnis ist der Überlassungsvertrag unwirksam (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, §§ 1 und 9).
Welcher der beiden Wege gewählt wird, hängt davon ab, ob eine Lücke dauerhaft oder vorübergehend ist.
Wann greifen Kliniken in der Region Hohenlohe auf Zeitarbeit zurück?
Kliniken greifen auf Zeitarbeit zurück, wenn eine Lücke schneller geschlossen werden muss, als ein Einstellungsverfahren dauert. Typische Anlässe sind Krankheitsausfälle, Elternzeit, Langzeiterkrankungen, Urlaubsspitzen und befristete Projekte.
Der häufigste Anlass ist der ungeplante Ausfall. Ein Dreischichtsystem lässt sich nicht beliebig dünner besetzen, weil Untergrenzen und Qualifikationsanforderungen je Schicht gelten, weshalb ein Haus bei mehreren gleichzeitigen Ausfällen auf einer Station handeln muss, bevor eine Bewerbung überhaupt eingeht.
Der zweite Anlass ist saisonal. Urlaubszeiten und Schulferien verschieben die Verfügbarkeit im Stammpersonal, und die Besetzung ändert sich im Sommer auf jeder bettenführenden Station, ohne dass die Belegung im gleichen Maß sinkt.
Vor Ort: Im Hohenlohekreis liegen die Standorte des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen und Künzelsau, wobei Öhringen nach dem Deutschen Krankenhausverzeichnis sechs Fachabteilungen und 205 Betten führt und damit wenig Spielraum für Verschiebungen zwischen Stationen gleicher Fachrichtung hat.
Der dritte Anlass ist die Projektspitze. Eine Umbauphase, ein Stationsumzug oder die Einführung eines neuen Dokumentationssystems bindet Personal, das auf der Station dann fehlt.
Sobald ein Haus diesen Weg wählt, greift ein eigenes Regelwerk.
Was regelt das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz für Häuser im Landkreis Schwäbisch Hall?
Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz regelt die Erlaubnispflicht des Verleihers, die Höchstdauer eines Einsatzes, den Gleichstellungsgrundsatz beim Entgelt sowie die Pflicht, die Überlassung offenzulegen und die Person im Vertrag zu konkretisieren.
Die Offenlegungspflicht ist in der Praxis die wichtigste Formvorschrift. Verleiher und Entleiher müssen die Überlassung vor Beginn ausdrücklich als solche bezeichnen und die überlassene Person konkret benennen, sonst liegt eine verdeckte Arbeitnehmerüberlassung vor (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, § 1 Absatz 1).
Eine weitere Grenze betrifft Arbeitskämpfe. Ein Entleiher darf überlassene Arbeitnehmer nicht einsetzen, soweit sein Betrieb unmittelbar von einem Arbeitskampf betroffen ist, und die Person darf eine solche Tätigkeit verweigern (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, § 11 Absatz 5).
Die bekannteste Vorgabe ist die zeitliche Begrenzung des Einsatzes, und sie wirkt in der Pflege anders als in der Industrie.
Wie wirkt die Überlassungshöchstdauer auf Einsätze in den Kliniken der Region?
Die Überlassungshöchstdauer beträgt 18 aufeinander folgende Monate beim selben Entleiher. Ein Tarifvertrag der Einsatzbranche kann eine andere Dauer festlegen, und vorangehende Einsätze werden angerechnet, wenn zwischen ihnen weniger als drei Monate liegen (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, § 1 Absatz 1b).
Für eine Station bedeutet die Frist Planungsdruck. Eine Pflegekraft, die eingearbeitet ist und die Abläufe kennt, muss den Einsatz nach Ablauf der Höchstdauer beenden, und die Alternative ist entweder eine Übernahme in ein Arbeitsverhältnis des Hauses oder ein Wechsel der Person.
Die Anrechnungsregel schließt den naheliegenden Umweg. Eine Unterbrechung von wenigen Wochen setzt die Frist nicht zurück, weil erst ein Abstand von mehr als drei Monaten einen neuen Einsatz begründet.
Vor Ort: Für ein Haus mit 185 Planbetten wie das Klinikum Crailsheim trifft diese Frist eine kleinere Zahl von Stationen, aber jede davon härter, weil weniger gleichartige Bereiche existieren, in denen eine Person weiterbeschäftigt werden könnte. Welche Abteilungen der Standort führt, steht in der Übersicht zum Haus im Nordosten des Kreises.
Neben der Dauer regelt das Gesetz, was eine überlassene Kraft verdient.
Was bedeutet Equal Pay für überlassene Pflegekräfte in Hohenlohe?
Equal Pay bedeutet, dass überlassene Arbeitnehmer nach spätestens neun Monaten dasselbe Arbeitsentgelt erhalten müssen wie vergleichbare Arbeitnehmer des Entleihers. Tarifverträge mit Branchenzuschlägen können davon abweichen (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, § 8).
Der Grundsatz steht am Anfang der Vorschrift und nicht erst nach neun Monaten. Überlassene Arbeitnehmer sind bereits ab dem ersten Tag hinsichtlich der wesentlichen Arbeitsbedingungen gleichzustellen, von dieser Gleichstellung darf nur ein Tarifvertrag der Zeitarbeitsbranche abweichen, und die volle Entgeltgleichheit greift nach der Frist in jedem Fall.
Für Krankenhäuser wirkt sich das auf die Kostenrechnung aus. Je länger ein Einsatz dauert, desto weniger Spielraum besteht beim Entgelt der überlassenen Kraft, während der Aufschlag des Verleihers bestehen bleibt, weshalb lange Einsätze aus Sicht eines Hauses teurer sind als kurze.
Für die Pflegekraft selbst ist die Frist eine Schutzregel, nicht ein Versprechen auf das Tarifentgelt des Hauses. Was eine Stelle in den Kliniken der Region in Festanstellung umfasst, zeigt die Darstellung zu den Berufsgruppen in den Häusern des Kreises.
Die rechtlichen Vorgaben sagen noch nichts darüber, wo dieses Modell an fachliche Grenzen stößt.
Welche Grenzen hat Zeitarbeit in den Kliniken in Schwäbisch Hall und Crailsheim?
Zeitarbeit stößt in den Kliniken in Schwäbisch Hall und Crailsheim dort an Grenzen, wo Einarbeitung, Fachweiterbildung und Vertrautheit mit den Abläufen eines Hauses nicht durch kurzfristige Besetzung ersetzbar sind.
Spezialbereiche sind davon am stärksten betroffen. Intensivstation, Operationsdienst, Kreißsaal und Notaufnahme verlangen Gerätekenntnis, Fachweiterbildung und eingespielte Abläufe, und eine Einarbeitung in diese Bereiche dauert länger als ein kurzer Einsatz.
Hinzu kommt die Wirkung auf das Stammpersonal. Dienstplanung, Einarbeitung neuer Kräfte und Praxisanleitung der Auszubildenden bleiben beim festangestellten Team, weshalb ein hoher Anteil externer Kräfte die Belastung an dieser Stelle verschiebt statt sie zu senken. Wie der Dienstbetrieb in den Häusern organisiert ist, steht in der Darstellung zum Stationsalltag in den Kreishäusern.
Vor Ort: Für Häuser zwischen Heilbronn und Nürnberg kommt die Anfahrt als praktische Grenze hinzu, weil eine überlassene Pflegekraft aus einem Ballungsraum für einen Spätdienst im Hohenlohekreis eine Fahrzeit auf sich nehmen muss, die ein Einsatz von wenigen Tagen selten rechtfertigt.
Daraus ergibt sich ein Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Häusern, der mit dem Gesetz nichts zu tun hat.
Warum spielt Personalvermittlung in ländlichen Häusern eine andere Rolle?
Ländliche Häuser konkurrieren um ein kleineres Bewerberfeld und haben weniger gleichartige Stationen, auf die sich ein Ausfall verteilen lässt. Beides erhöht den Anlass für externe Besetzung, verringert aber gleichzeitig das Angebot verfügbarer Kräfte.
Der Arbeitsmarkt in der Fläche ist schmaler. Wer im Landkreis Schwäbisch Hall eine Pflegefachkraft mit Intensivweiterbildung sucht, zieht sie im Umkreis von mehreren Kreisen heran, und dasselbe gilt für jeden Personaldienstleister, der eine solche Kraft vermitteln soll. Das Umland liefert dabei weniger Bewerber als ein Ballungsraum, weil die Zahl der Häuser und damit der ausgebildeten Kräfte geringer ist.
Die Erreichbarkeit entscheidet dabei mit. Der Landkreis liegt an der A6 und Crailsheim ist ein Bahnknoten, die Fahrzeit aus Stuttgart oder Nürnberg bleibt aber für Schichtdienste eine Hürde, weshalb regionale Verfügbarkeit in der Fläche mehr wiegt als die Größe eines Anbieters.
Dieser Zusammenhang steht seit Jahren und erklärt, warum ländliche Träger eher in eigene Ausbildung und Bindung investieren, als dauerhaft externe Kapazität einzukaufen. Das gilt in der Region unabhängig davon, ob ein Haus kommunal oder freigemeinnützig getragen wird.
Wie planen Häuser im Hohenlohekreis den Einsatz externer Pflegekräfte?
Häuser planen den Einsatz externer Pflegekräfte als befristete Ergänzung mit festem Anlass, festem Bereich und festem Ende. Grundlage ist eine Bedarfsrechnung je Station, nicht eine pauschale Reserve.
Die Prüfschritte sind sachlich bestimmbar. Erlaubnis des Verleihers, Qualifikationsnachweis und Erlaubnis zur Berufsbezeichnung, Einweisung in Medizinprodukte und Hygiene, Dokumentation der Offenlegung und eine Kalkulation, die die Entgeltgleichheit nach neun Monaten und die Höchstdauer von 18 Monaten einrechnet.
Die Übernahme in ein eigenes Arbeitsverhältnis ist dabei der Regelfall, den die Fristen begünstigen. Wer sich auf einer Station bewährt hat und die Abläufe kennt, ist für das Haus günstiger als ein weiterer externer Einsatz, weshalb aus einer Überlassung häufig eine Einstellung wird.
Personalvermittlung und Zeitarbeit sind damit ein Instrument für begrenzte Lagen und kein Ersatz für Stellenbesetzung. Für ein Krankenhaus in einer Flächenregion bleibt die eigene Ausbildung der tragende Weg, und die externe Besetzung deckt das ab, was zwischen Ausfall und Neueinstellung liegt.